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Leistenschmerz? Ein Bruch ist nur eine von 100 Ursachen

Sind Schmerzen in der Leiste ein typisches Symptom für einen Leistenbruch? Eher selten, denn: „Es gibt mindestens 100 Ursachen für Leistenschmerzen, die Leistenhernie ist nur eine davon“, so Prof. Henning Niebuhr, einer der Chefärzte des Hamburger Hernien Centrums. Oft werde jedoch anhand der Beschwerden vorschnell auf einen Bruch und eine notwendige Operation geschlossen, berichtet der Spezialist.

Bei Schmerzen in der Leiste denkt man schnell an eine Leistenhernie – Betroffene ebenso wie viele Mediziner. „In unseren Spezial-Sprechstunden treffen wir häufig auf Patienten, die sich wegen ihrer Leistenschmerzen bereits voll auf eine Hernien OP eingestellt haben – oftmals völlig ohne Grund“, so Prof. Henning Niebuhr, der gemeinsam mit seinem Chefarzt-Kollegen Dr. Wolfgang Reinpold und zwei Oberärzten seit 2021 ein spezialisiertes Hernienzentrum mit mehreren Standorten in Hamburg betreibt.

Bei vielen Patienten mit Schmerzen oder Ziehen in der Leiste beruhe die vermeintliche OP-Indikation auf einer Selbstdiagnose – meist mit freundlicher Unterstützung von Dr. Google. Der weiß eine Menge über Leistenhernien, denn: Mit 250.000 Betroffenen pro Jahr allein in Deutschland gilt der Leistenbruch als Volkskrankheit, entsprechend groß ist auch das öffentliche Interesse. Wer gut recherchiert oder gleich Experten befragt, weiß jedoch: In den seltensten Fällen ist eine Hernie mit starkem, dauerhaftem Leistenschmerz verbunden. Typischer ist ein Druckgefühl oder ein leichtes Ziehen in der Leistenregion, fast immer einhergehend mit einer Vorwölbung, die unterschiedlich groß sein kann.

Leistenschmerz allein kein Anlass für eine OP

Auch wenn Leistenhernien nie von selbst heilen, ist Prof. Niebuhr aus Hamburg überzeugt: Viele OPs basieren auf Fehldiagnosen, könnten Patienten also eigentlich erspart bleiben. Doch auch Niebuhr und Kollegen operieren in den Partnerkliniken des Hamburger Hernien Centrums ca. 2.000 Leistenbrüche pro Jahr – und blicken damit sogar europaweit auf überdurchschnittlich hohe OP-Zahlen. Das jedoch mit einer wichtigen Einschränkung: Operiert wird nur nach genauester Abklärung und sicherer Diagnose.

Bei Leistenschmerzen und/oder Verdacht auf eine Leistenhernie setzen die Experten im Hamburger Hernien Centrum zuerst auf ein ausführliches Gespräch. „Meist verraten schon Art und Intensität der Schmerzen, ob eine Hernie dahinterstecken kann“, erklärt Prof. Niebuhr. Genaueren Aufschluss gibt dann der körperliche Check. Die Leistenregion wird im Stehen, Liegen und unter Druckausübung durch Bauchpresse oder Husten untersucht. Eine Hernie ist dann häufig eindeutig sicht- oder tastbar.

Doch auch darauf verlässt sich das Experten-Team im Hamburger Hernien Centrum trotz jahrzehntelanger Erfahrung nicht vollkommen: „Wir führen bei allen Patientinnen und Patienten zusätzlich eine spezielle Ultraschalluntersuchung durch, um mögliche Hernien präzise zu beurteilen und unnötige Operationen zu vermeiden.“ Aufwändigere und teils für Patienten belastende Verfahren wie ein MRT oder CT sind nur in den seltensten Fällen erforderlich.

Erst wenn alle Untersuchungen klar für eine Hernie sprechen, raten Prof. Niebuhr und Kollegen in der Regel zur OP, um Komplikationen wie eine mögliche Einklemmung des Darms zu vermeiden. Diese muss jedoch nicht sofort erfolgen. „Eine Leistenbruch-Operation hat Zeit. Es sei denn, die Hernie ist bereits eingeklemmt – dann handelt es sich um einen Notfall, der sofort operiert werden muss!“ Im Normalfall ist der Bruch jedoch recht schnell und unkompliziert behoben. Oft kann schon mit kleinsten Schnitten operiert werden und Betroffene sind nach wenigen Tagen wieder auf den Beinen.

Diagnostik bei Leistenschmerz: „Medizinische Detektivarbeit gefragt“

Komplexer und vor allem langwieriger gestaltet sich die Sache jedoch oft, wenn ein eine Hernie ausgeschlossen wird – wie bei so vielen Patienten mit Leistenschmerzen der Fall. „Bei Leistenschmerzen ist häufig medizinische Detektivarbeit gefragt“, so Prof. Niebuhr. „Dahinter können orthopädische Probleme wie Hüftleiden, ebenso wie zahlreiche gynäkologische, urologische oder neurologische Erkrankungen stecken.“ Um Betroffenen die lange Odyssee von Arzt zu Arzt und aufwendige Mehrfachuntersuchungen zu ersparen, haben Prof. Niebuhr und langjährige Kollegen anderer Fachrichtungen das Hamburger Netzwerk Leistenschmerz gegründet. Hier werden Patienten mit Leistenschmerzen im engen Austausch unter den Fachdisziplinen und teils auch gemeinsam behandelt. „Selbst wenn wir bei Patienten mit Schmerzen in der Leiste auch einen Bruch entdecken, ist dieser meist nicht der Grund für die Beschwerden. Auch dann empfehlen wir in der Regel, erst die eigentliche Ursache der Beschwerden abzuklären und ggf. behandeln zu lassen. Die vergleichsweise unkomplizierte Hernien OP kann oft warten.

Schnell operieren? „Seien Sie kritisch!“

Patienten mit Leistenschmerzen rät Niebuhr also, die Beschwerden in jedem Fall ernst zu nehmen und genau abklären zu lassen – bei Bedarf auch mehrfach. Der Hernien-Experte warnt davor, sich unbedacht mit einer Leistenhernie oder gar einer dringenden Operation abzufinden.  „Wenn jemand nur anhand ihrer Schmerzen zur schnellen OP rät, fragen sie nach weiteren Untersuchungen, insbesondere einem Ultraschall. Und im Zweifel nehmen Sie bitte die Beine in die Hand und wenden Sie sich an spezialisierte Ärzte.“