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Komplexe und riesige Narbenbrüche

Narbenbrüche sind durch Lücken im Narbengewebe nach vorheriger Bauchoperation gekennzeichnet. Diese Lücken können einfach und mehrfach auftreten. Sie können zum Teil eine Größe erreichen, die soviel Bauchinhalt in den Bruchsack austreten lassen, dass der so entstandene Raum vor der Bauchhöhle größer ist als die eigentliche Bauchhöhle. In diesem Fall hat der Bauchinhalt „sein Heimatrecht in der Bauchhöhle verloren“. Diese Sonderform des Narbenbruches stellt eine große Herausforderung an die operative Behandlung dar.

Ursachen

Nach einer Bauchoperation wird die Bauchdecke mit ihren verschiedenen Muskel- und Bindegewebschichten mit Nähten verschlossen, die normalerweise eine feste Narbe bewirken sollen. In bis zu 30 % der Fälle kann es jedoch zu einem Auseinanderweichen der zunächst ausgeheilten Narbe kommen und durch die hierdurch entstandene Lücke kann sich Bauchinhalt wie Darm oder Fettgewebe aus dem Bauchraum hindurchdrängen.

Die Entstehung eines Narbenbruchs wird durch folgende Faktoren unterstützt: Alkohol- und Nikotinmissbrauch, akute oder chronische Atemwegserkrankungen, maschinelle Beatmung nach Bauchoperation, Bauchwasser, Bindegewebsschwäche, Darmverschluss, Eiweißmangel, Husten, Nierenfunktionsstörungen, Tumorleiden, Übergewicht, Wundinfekte, Zuckerkrankheit, wiederholte Bauchschnitte, fehlerhafte Wundverschlusstechnik.

Symptome und Folgen

Die Symptome zeichnen sich durch sehr große z.T. gigantische Vorwölbungen im Bereich einer Operationsnarbe in der Bauchwand, die sich insbesondere beim Pressen, Husten oder Aufrichten aus liegender Position bemerkbar machen, aus. Im Liegen lassen sich bei dieser besonderen Bruchform die Vorwölbungen meistens nicht mehr zurückdrücken. Chirurginnen und Chirurgen bezeichnen diesen Zustand als „verlorenes Heimatrecht des Bruches“ englisch: Loss of Domain (LOD). Das ist bedingt durch den Umstand, dass immer mehr Eingeweide in den größer werdenden Bruchsack „auswandern“ und dadurch die eigentliche Bauchhöhle immer kleiner wird.

In fast allen Fällen treten Schmerzen, Druckgefühl und Verdauungsstörungen auf.

Was ist ein "eingeklemmter" Bruch?

Bei einem eingeklemmten Bruch können die im sogenannten Bruchsack gefangenen Organe – hierbei kann es sich um eine Dünndarmschlinge handeln – weder durch den Patienten noch durch den Arzt wieder in den Bauchraum zurückgedrückt werden. Meist bestehen starke Bauchschmerzen, welche einerseits darauf beruhen, dass der in der Bruchpforte eingeklemmte Darm nicht mehr durchgängig ist und andererseits auch dessen Blutversorgung an der gleichen Stelle durch den Druck von außen unterbrochen ist. Die Unterbrechung der Blutversorgung führt innerhalb von Stunden zum Absterben des im Bruchsack gefangenen Darmstücks, deshalb ist in dieser Situation immer eine Notfalloperation erforderlich.

Diagnostik

Körperliche Untersuchung

Vor der Behandlung erfolgt die genaue Diagnosestellung durch den Spezialisten. Zunächst wird die Vorgeschichte besprochen und erfragt: Wann traten die Beschwerden auf, wie zeigen sich die Beschwerden, welche Vorerkrankungen sind bekannt. Die Leistenregion bzw. die betroffene Bauchwandregion wird abgetastet um so einen Eindruck vom Ausmaß der Bruchbildung zu bekommen.

Dynamischer Ultraschall

Mit der von Professor Niebuhr maßgeblich entwickelten dynamischen Ultraschall­untersuchung Bauchwand / Leiste können präzise Lokalisation, die Größe und Beschaffenheit des Leisten– oder Bauchwandbruches festgestellt werden. Weitere, aufwändigere und teure, bildgebende Verfahren sind in der Regel nicht erforderlich.

Spezielle Untersuchung bei großem Bauchwand-Narbenbruch

Bei sehr großen Bauchwand- / Narbenbrüchen (Durchmesser der Bruchlücke >10 cm) ist eine Computertomographie (CT) mit Größenbestimmung der Bruchlücke sowie Volumenbestimmung des großen Bruchsackes sowie der verbliebenen Bauchhöhle unbedingt erforderlich

Allgemeine Untersuchungen

In enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit Ihrem Hausarzt werden die notwendigen, allgemeinen Voruntersuchungen wie EKG und Laboruntersuchungen (Blutentnahme) durchgeführt.

Therapie eines komplexen und riesigen Narbenbruches in Hamburg

Wenn sich der Bruchsackinhalt nicht mehr in den Bauchraum zurückzudrängen ist, muss eine Operation durchgeführt werden. Da darüber hinaus auch immer die Möglichkeit einer Einklemmung besteht, ist auch aus diesem Grund eine Operation anzuraten.

Dringlich notwendig wird eine Operation, wenn die Haut im Bereich des Narbenbruches durch die Last der in den Bruchsack vor der eigentlichen Bauchhöhle austretenden Eingeweide dünner wird oder sich entzündet. In diesen Fällen bestehen regelhaft Schmerzen sowie erhebliche Verdauungsprobleme und Bewegungs- und Aktivitätseinschränkungen. Ein derartiger, großer Bauchnarbenbruch kann sich nicht zurückbilden, sondern wird im Laufe der Zeit größer, so dass bei den Riesenbrüchen allen Patienten (vordringlich aber jüngeren) zur Operation geraten werden muss.

Innovatives Operationsverfahren bei komplexen und riesigen Narbenbrüchen

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass die früher verwendeten Methoden häufig gerade bei den besonders großen Brüchen zu erneutem Auftreten von Narbenbrüchen geführt haben. Da bei Narbenbrüchen von einer durch Bindegewebsschwäche gestörten Narbenbildung ausgegangen werden muss, ist eine einfache Naht, die häufig unter Spannung ausgeführt werden muss, nicht erfolgreich. Ein dauerhafter Verschluss kann nur durch ein spannungsfreies Verfahren mit Kunststoffnetzeinlage zum Verschluss der Bruchlücke erreicht werden.

Ein ordnungsgemäßer Verschluss der bei dieser Sonderform der Narbenhernie riesigen Bruchlücke in der Bauchwand mit Zurückführen aller Organanteile in die eigentliche Bauchhöhle ist oftmals sehr kompliziert und bedarf erheblicher Vorbereitung.

So ist eine künstliche Erschlaffung der seitlichen Bauchwandmuskelschichten mittels Botox Infiltration vier Wochen vor der geplanten Operation oft sehr hilfreich.

Als erstes großes Hernienzentrum haben wir die von Professor Niebuhr und seinem Team mit entwickelte innovative Faszienzug-Technik (Fasciotens) eingeführt: Während der aufwändigen Operation erreichen wir durch standardisierten und definierten Zug an den mittleren Bauchwandschichten eine Streckung der Faszien (Bindegewebe) und Muskeln (mit Längengewinn), die benötigt wird, um einen spannungsfreien Verschluss  des großen Bauchwanddefektes zu erzielen.

Andere -technisch sehr aufwändige- Verfahren um einen ähnlichen Längengewinn zu erzielen (sog. Kompartmentseparation), die auf einer Auftrennung der Bauchwandschichten basieren, können vermieden oder in wesentlich geringerem Ausmaß durchgeführt werden.